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Photovoltaik als friedenssichernde Maßnahme? Überheblich oder logisch? Bekannt ist: Die Bedeutung der Energiewende wird immer wieder mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht. Die globale Erwärmung muss unter der kritischen Grenze von 2 Grad gehalten werden. Photovoltaik bzw. alternative Energien im weiteren Sinne haben aber aufgrund der Ressourcenverknappung auch große geopolitische Bedeutung. In diesem Beitrag möchten wir am Beispiel "Syrienkonflikt" deshalb genauer folgenden Fragen nachgehen:

  • Wie knapp sind die Ölvorräte der Welt aktuell?
  • Warum ist Krieg in Syrien?
  • Was hat das mit Photovoltaik zu tun?

1. Erdöl statt Photovoltaik - Die heutige Welt

Was denken Sie, wie groß der globale Hunger nach Erdöl als der wichtigsten Energie-Ressource aktuell ist?

Kaum zu glauben, aber folgende Angaben sind kein Scherz. Benötigt werden:

  • ca. 90 Millionen Fass Erdöl pro Tag (1 Fass =159 Liter)
  • das entspricht 45 Supertankern pro Tag

Die folgende Karte des SIPER (Swiss Institute for Peace and Energy Research) zeigt sehr deutlich, in welchen Regionen global das meiste Erdöl zu finden ist.

Erdölfelder im eigenen Land zu haben bedeutet aber noch nicht, dass das vorhandene Erdöl auch ausreicht, um den eigenen Bedarf zu decken. Großbritannien beispielsweise hatte 1999 Peak-Oil - also das Fördermaximum an Erdöl überschritten. Seit diesem Jahr sinkt die eigene Erdölförderung in Großbritannien. Seit 2011 wurde sogar mehr Öl importiert, als verkauft wurde.

Die Erdölfelder reichen also logischerweise nicht ewig! Welche Staaten sind aktuell überhaupt noch Exporteure?

Hier ein paar Fakten zu der obigen Grafik:

  • Die USA und China sind die Länder mit dem größten Erdölbedarf und können diesen nicht durch eigene Förderung stillen.
  • Selbst das Fracking in Kanada und der Überschuss von ca. 2 Millionen Fass pro Tag reicht nicht für die benötigten 6,5 Millionen Fass in den USA.
  • Unter den Hauptexporteuren finden sind mit Iran, Irak, Kuwait, Venezuela und Russland Regionen mit politischem Konfliktpotential.

Frage: Ist es Zufall, dass die großen Erdölreserven in solchen Krisenstaaten vorhanden sind? Oder werden Krisen geschürt, um Kontrolle über Rohstoffe zu verlagern?

Der US-amerikanische Vier-Sterne-General Wesley Clark (1997 - 2000 Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa) beschrieb die Situation folgendermaßen:

"Die Wahrheit über den mittleren Osten ist: Hätte es dort kein Öl gegeben, wäre es wie in Afrika. Niemand droht in Afrika zu intervenieren... Es ist keine Frage, dass das Vorhandensein von Erdöl in der ganzen Region die Großmächte dazu animiert hat, sich einzubringen." (Zitat aus dem folgenden Interview)

2. Geopolitik am Beispiel des Syrien-Konflikts

"Meine These ist: Das sind keine Antiterrorkriege - das sind Öl und Gaskriege das sind Kriege um Rohstoffe." Sarah Wagenknecht zu den aktuellen Kriegen im Nahen Osten; Interview von Tilo Jung 05.02.2017.

 Der Krieg in Syrien wird den geopolitisch unbedarften Bürger in Fernsehen und Zeitungen nur selten so vermittelt, dass sich das Chaos etwas entzerrt. Die Mehrheit versteht einfach nicht, welche Konfliktparteien aktuell aus welchen Gründen miteinander Krieg führen. Der Krieg wird statt verstanden eher mit Gefühlen versehen, beispielsweise:

  • Assad ist böse und terrorisiert seine Bevölkerung
  • Amerika, Großbitannien und Frankreich bombardieren - das ist "irgendwie gut"
  • Putin bombardiert auch - das ist böse

Wie wäre es vor Gericht, wenn der Richter bei der Beurteilung einer brutalen Schlägerei danach geht, welche Person er irgendwie sympathischer findet?
Schlechte Idee! Wir erwarten, dass der Richter aufgrund von Fakten und Tatsachen den Fall analysiert und den wirklichen Täter bestraft.

  • Wann wurde die Straftat begangen
  • Welche Motive gab es
  • Wer sind die Täter

Versuchen wir, den Syrienkonflikt entsprechend zu untersuchen, könnte man folgende Fakten mit einbeziehen:

  • 2009 (Zwei Jahre vor Beginn des Krieges) führten zwei Länder Verhandlungen mit Assad, um eine Pipeline durch Syrien zu bauen.
  • Die Länder waren Saudi-Arabien (mit Katar) - und auf der anderen Seite der Iran.
  • Beide Länder haben Zugang zum weltgrößten Erdölfeld (South Pars/North Dome) und möchten das daraus geförderte Öl verkaufen.
  • Die Erlaubnis für den Bau erhielt der Iran.

Die Pipelinetrassen sind hier abgebildet.

Der Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser zieht den folgenden Schluss:

"Der Iran möchte daher Assad an der Macht halten. Kuwait, Saudi-Arabien und die Türkei möchten Assad stürzen. That's it! Und wenn Sie es noch vertieft haben wollen, dann haben sie im Hintergrund die Amerikaner und die Briten, die beschlossen haben, dass sie Assad stürzen wollen.

Das heißt, sie haben einerseits eine Allianz der NATO-Länder Großbritannien, USA und Frankreich, die Assad stürzen wollen, zusammen mit den Golf-Monarchien Katar, Saudi-Arabien und Erdogan in der Türkei. Das sind die sunitischen Länder - die wollen Assad stürzen.

Und auf der anderen Seite haben sie den schiitischen Iran, zusammen mit mit der schiitischen Hisbollah, die den Alaviten Assad an der Macht halten wollen und die Russen wollen Assad auch an der Macht halten weil - die Russen haben zwei Militäarstützpunkte in Syrien. Un die Russen wollen auch nicht, dass das katarische Erdgas auf den europäischen Markt kommt, weil - und das weiß jeder der Champions-League schaut - da ist ja schon Gazprom!" (Zitat aus folgendem Vortrag von Dr. Ganser)

Laut Dr. Ganser haben Saudi-Arabien und die Türkei radikale Dschihadisten in Syrien einsickern gelassen, um das Land zu destabilisieren und einen Putsch vorzubereiten.
Ein Regierungswechsel war bisher erfolglos - der Krieg dauert jedoch an.

Kann es wirklich sein, dass Kriege mit Erdöl zu tun haben? Fakten zum Nachdenken:

  • Lybien-Krieg: Libyen hat die größten Erdölreserven Afrikas. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die weitgehend verstaatlichte Wirtschaft Libyens auf den reichen Erdöl- und Erdgasvorkommen basiert. (Wikipedia)
  • Aktueller Krieg im Jemen: Rohöl und Erdgas sind die wichtigsten Exportgüter des Jemen, 2007 machten sie 90 % aller Exporte aus. (Wikipedia)
  • Irakkrieg: Der Irak steht auf der Weltrangliste der Länder mit den meisten Bodenschätzen auf Platz 4, seine Wirtschaft basiert vor allem auf dem Export von Erdöl und zu geringen Teil auf der Landwirtschaft. (Wikipedia)

3. Kurzinterview mit Dr. Daniele Ganser

Aufgrund der oben genannten Daten, ist es für jeden von uns wichtig, einen Blick in eine positive Zukunft zu werfen und an dieser mitzugestalten. Grund genug für den Herausgeber vom Solaranlagen-Portal.de (Jascha Schmitz), Dr. Ganser in einem Kurzinterview noch einmal selbst zu dieser Thematik zu befragen:

Solaranlagen-Portal.de: Herr Dr. Ganser, wird der Ausbau alternativer Energien Ihrer Beurteilung nach geopolitische Auswirkungen haben? Wenn ja, welche wären zu erwarten?

Dr. Ganser: Im Moment stecken wir noch in einem System, dass auf Erdöl, Erdgas, Kohle und Atom basiert. Das führt zu Ressourcenkriegen wie dem Angriff auf den Irak 2003 durch die USA und Grossbritannien, dieser Krieg hat inzwischen 1 Million Menschen das Leben gekostet. Wenn es uns gelingt, dezentral erneuerbare Energien zu nutzen und Elektroautos mit Sonnenstrom zu betreiben, wird dies die Geopolitik stark beeinflussen. Die Macht verschiebt sich zu den Bürgerinnen und Bürger oder den Gemeinden, welche autonom ihre Energie nachhaltig und erneuerbar selber produzieren, ohne Krieg und weit weniger Kapitalkosten.

Solaranlagen-Portal.de: Macht es Sinn, die Nutzung alternativer Energien im weiteren Sinn als "friedenssichernde Maßnahme" zu bezeichnen?

Dr. Ganser: Auf jeden Fall. Im Moment stecken wir als Menschen sehr viel Geld in die Rüstung. Die 28 NATO Länder geben 900 Milliarden Dollar pro Jahr für Rüstung aus, das NATO Mitglied USA deckt den grössten Teil dieser Ausgaben mit 600 Milliarden. Russland hat ein Rüstungsbudget von 90 Milliarden. Wenn wir all dieses viele Geld in den Aufbau von erneuerbaren nachhaltigen Energiestrukturen investieren würden, hätten wir eine echte Friedensdividende. Die NATO führt seit 2001 Krieg gegen Afghanistan, das Land ist im Chaos. 2011 wurden Libyen bombardiert von den NATO Staaten USA, Frankreich und UK. Auch Libyen ist im Chaos. Immer mehr Menschen erkennen, dass wir die grössten Probleme im 21. Jahrhundert nicht mit Gewalt lösen können. 

Solaranlagen-Portal.de: Wie kann Ihrer Ansicht nach jeder privat zu einem Umdenken in diesem Bereich beitragen?

Dr. Ganser: Man soll sich an Gandhi orientieren der sagte: Sei Du selber der Wandel, der Du dir wünschst in der Welt! Also bei Abstimmungen für die erneuerbaren Energien stimmen. Grünen Strom vom lokalen Werk einkaufen. Ich persönlich habe ein Elektroauto und produziere Sonnenstrom auf dem Dach, zudem habe ich meine Gasheizung entfernt und durch eine Erdsondenwärmepumpe ersetzt. Jeder tut was er kann. Man kann auch im Gespräch mit anderen Menschen neue Wege andenken wie man die Welt im 21. Jahrhundert gestalten könnte. Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien werden auf jeden Fall eine zentrale Rolle spielen. Daher setze ich mich für die Vision 100% erneuerbare Energien ein. Es ist noch ein weiter Weg, aber es sind ganz tolle Menschen die man auf diesem Weg antrifft und die an derselben Vision arbeiten.

Solaranlagen-Portal.de:  Besten Dank Herr Dr. Ganser für Ihre Antworten und Erläuterungen!

4. Photovoltaik als Teil der Friedensbewegung

  • 400.000 Tote in Syrien
  • 50.000 Tote in Lybien
  • 600.000 Tote im Irak

Das sind die Zahlen der vergangenen Jahre. Die Liste ließe sich mit weiteren Konflikten, Ländern oder Jahrzehnten beliebig erweitern.

Selbst, wenn die Analysen nicht so eindeutig sein sollten wie im obigen Beispiel aufgeführt. Selbst, wenn die wirtschaftlichen Interessen und das Erdöl nicht der Hauptgrund für die Kriege wären, sondern nur eine zweitrangige Rolle spielen würden, so wäre jeder Tote aufgrund der globalen Sucht nach Erdöl ein Toter zu viel.

Lassen sich Kriege durch den Ausbau alternativer Energie verhindern? Wie sähe die Welt aus, wenn die Energieversorgung schon heute von Solarenergie, Windkraft, Wasserkraft und Geothermie gedeckt würde? Hätten die Kriege der letzten Jahre stattgefunden? Selbst wenn sich auch nur ein einziger Krieg verhindern ließe, wäre der Ausbau der erneuerbaren Energien absolut gerechtfertigt. 

In der Klimadiskussion wird Photovoltaik als die Lösung aufgeführt, um künftige Schreckensszenarien zu vermeiden. Aber ist uns klar, dass wir schon heute Schrecken erleben, der verhindert werden kann? Der beschleunigte Ausbau der alternativen Energie ist ein Beitrag zur Friedenssicherung, an dem sich jeder beteiligen kann - ob durch die eigene Photovoltaikanlage, energiesparende Maßnahmen im Haus oder den Bezug von Grünstrom!

4.1. Weiterführende Information:

Contact Person Autor des Artikels: Jascha Schmitz - Redakteur der Umweltportale: Solaranlagen-portal.de | Ihr-BHKW.de | Ihre-Waermepumpe.de | klaeranlagen-vergleich.de

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