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Für neu errichtete Solaranlage wird keine Solarstrom-Eigenverbrauchsvergütung mehr gezahlt. Dennoch ist der Eigenverbrauch weiterhin die rentabelste Methode eine Photovoltaikanlage zu betreiben.

Heute: keine Fördergelder (mehr) für den PV Eigenverbrauch

Wenn Sie heute eine PV-Anlage planen, werden Sie keine zusätzliche Vergütung für den Eigenverbrauch erhalten.  Das war früher einmal der Fall, als es staatliche Förderungen für selbst verbrauchten Strom gab.

Aktuell ist die Entwicklung der Solartechnik weiter fortgeschritten. Aus diesem Grund brauchen Sie gar keine Förderung – den Strom selber zu verbrauchen lohnt sich auch so! Tatsächlich ist der Eigenverbrauch laut Aussagen von Experten im Jahr 2017 bereits fast 3x so wirtschaftlich, als den Strom einzuspeisen!

Rückblick: 01.01.2009 bis 30.06.2012

In dieser Zeitspanne gab es die sogenannte Eigenverbauchsvergütung. Außerdem zwischen dem 01.04.2012 und 30.06.2012 eine Übergangregelung für Anlagen, die vor dem 24.02.2012 ein Netzanschluss beantragt hatten. Anfangs konnten nur Anlagen bis 30 kWp Nennleistung, später bis 500 kWp Nennleistung die Vergütung für Eigenverbrauch erhalten. Falls Sie also in diesem Zeitraum eine Anlage installiert hatten und die Vergütung für den Eigenverbrauch nutzen, können diverse Fragen auftreten. Die EEG-Clearingstelle ist dann ein guter Ansprechpartner!

1. 3 Profi-Tipps: Den Eigenverbrauch zu steigern

Der Verkauf einer Photovoltaikanlage ohne einen dazu passenden Solarspeicher kaum mehr zu verantworten. So gut wie alle Unternehmen bieten als Basis-Lösung also Solarzellen für Ihr Dach und einen Solarakku für Ihren Keller (Garage etc.) an. 

  • Das ist aktuell der richtige Weg. Sie können dann überschüssigen Strom erst einmal im Solarakku speichern und z.B. Abends, wenn Sie von der Arbeit nach Hause gekommen sind bei einem Solarstrom-Fußballabend mit Solarstrom-gekühltem Bier verbrauchen bzw. genießen.
  • Erst wenn nun auch der Akku voll ist, wird der Strom in das Netz "verkauft".

Gibt es neben überdimensionierten Akkus noch weitere sinnvolle Möglichkeiten, den Eigenverbrauch zu optimieren? 

Ja, die gibt es tatsächlich! Im Webinar "Eigenverbrauch optimieren" (PV Magazine 12/2016) sprachen Stefan Ringbeck (Trina Solar), Stefan Hirzinger (Hirzinger Solar) und Andreas Bruske (ad fontes) über eben dieses Thema und erklärten eine ganze Pallette an sinnvollen Möglichkeiten.

Im Folgenden haben wir diese Möglichkeiten in einer aktuellen Infografik zusammengefasst:

Hier gibt es die Grafik auch Alternativ als pdf

Kurz zusammengefasst:

  1. Der Standard ist also die Variante einer Nutzung der Photovoltaikanlage mit einem Solarspeicher
  2. Besser genutzt wird überschüssige Energie, wenn diese im Haus als Wärmeenergie - über eine Wärmepumpe gespeichert werden kann. Zusätzlich könnte ein Eisspeicher als Energiespeicher für Ihre Wärmeenergie installiert werden.
  3. Mit der Smart-Home-Technologie kann das ganze Haus, Verbraucher, Beleuchtung, Jalousie etc. so autoamtisiert werden, dass Energienutzung zu den richtigen Zeiten am richtigen Ort optimiert wird!

2. Eigenverbrauch und die Rentabilität Ihrer Photovoltaikanlage

Folgende Fakten zum Eigenverbrauch tragen während der momentanen Gesetzeslage zur Rentabilität Ihrer Solaranlage bei:

  1. Je größer der Eigenverbrauchsanteil meines Solarstroms, desto mehr steigt die Rentabilität, da sich der Betreiber der Photovoltaikanlage den Strom-Einkauf vom Energieversorger spart.
  2. Je höher der Strompreis steigt, umso mehr sparen Sie mit jeder selbst verbrauchten kWh Strom.
  3. Je weiter die Photovoltaik-Einspeisevergütung sinkt, desto mehr trägt der Eigenverbrauch zur Rentabilität der Solaranlage bei.

Der Photovoltaik-Eigenverbrauch steigert die Rentabilität der PhotovoltaikanlageTendenziell steigen die Strompreise weiter. Mittlerweile liegen die Strompreise durchschnittlich bei 29 Cent pro Kilowattstunde. Daher spart sich der Betreiber der Solaranlage beim Photovoltaik-Eigenverbrauch den Zukauf von den großen Stromkonzernen. Und je weiter der Strompreis steigt, umso mehr lohnt sich der Eigenverbrauch.

Der Besitzer einer im Dezember 2016 errichteten Photovoltaikanlage würde 12,71 Cent für jede ins öffentliche Netz eingespeiste kWh Strom erhalten. Beim seinem Stromversorger zahlt er 29 Cent pro Kilowattstunde Strom. Beim Eigenverbrauch einer kWh Strom entgehen dem Betreiber der Photovoltaikanlage zwar die 12,71 Cent für den Verkauf, gleichzeitig spart er aber auch 29 Cent. Das macht insgesamt einen Vorteil von 16,29 Cent aus. 

Je nachdem, wie hoch der Strompreis vom Stromkonzern ist, kann der Differenzbetrag auch größer sein. Je weiter der Strompreis steigt, umso größer wird der Differenzbetrag und umso mehr lohnt sich für Sie der Photovoltaik-Eigenverbrauch.

2.1. Vergleich für ein Einfamilienhaus mit einer 6 kWp-Photovoltaikanlage bei kein Eigenverbrauch (Volleinspeisung), sowie 25% und 80% Eigenverbrauch

In unserer Photovoltaik-Berechnung wird davon ausgegangen, dass die Solaranlage 5.400 kWh pro Jahr erzeugt. Die Werte gelten für eine Inbetriebnahme der Anlage im Dezember 2016 (Versicherungs- und Wartungskosten wurden nicht berücksichtigt, dafür aber auch keine Strompreis-Erhöhungen). Es werden drei Modelle gegenübergestellt: die Volleinspeisung, der durchschnittliche Eigenverbrauch ohne Photovoltaik-Batteriespeicher, der bei 25% liegt und der mögliche Eigenverbrauchsanteil von 80% mit Photovoltaik-Akku.

  kein Eigenverbrauch 25% Eigenverbrauch 80% Eigenverbrauch
produzierter Solarstrom 5.400 kWh 5.400 kWh 5.400 kWh
Einspeisung 5.400 kWh 4.050 kWh 1.080 kWh
Einspeisevergütung 12,71 ct/kWh 686,33 € 514,75 € 137,29 €
Photovoltaik-Eigenverbrauch - 1.350 kWh 4.320 kWh
Ersparnis durch Eigenverbrauch bei einem Strompreis von 29 ct/kWh  - 391 € 1252,80 €
Gesamtertrag + eingesparte Kosten 686,33 € 905,75 € 1390,09 €

Fazit: Je höher der Photovoltaik-Eigenverbrauch des durch die Photovoltaikanlage produzierten Solarstroms, desto profitabler ist der Betrieb der Anlage. Die Volleinspeisung von Solarstrom ist also nicht mehr zu empfehlen, sondern ein anteiliger Photovoltaik-Eigenverbrauch.

2.2. Photovoltaik-Speicher & Eigenverbrauch  

Die zwei wichtigsten Maßnahmen um den Eigenverbrauchsanteil des Solarstroms zu steigern sind:

  1. Installation eines Photovoltiak-Batteriespeichers und 
  2. die Verschiebung von Stromverbrauch in die Mittagszeit.

Ein Photovoltaik-Batteriespeicher ist neben einer PV-Anlage eine weitere kostspielige Anschaffung, aber lohnt sich! Denn das Problem bei den meisten Solaranlagen ist, dass zur Mittags- und frühen Nachmittagszeit der meiste Strom erzeugt wird, die Hausbewohner aber nicht zuhause sind um den Solarstrom zu verbrauchen. Der Großteil des Stroms wird erst am Abend benötigt. Photovoltaik-Akkus speichern den Strom und man kann ihn abends abrufen. Auf diesem Wege kann man seinen Photovoltaik-Eigenverbrauch steigern, allerdings noch lange nicht bis zu 100%.

Auf der Webseite von Prof.Dr. Volker Quaschning finden Sie einen Autarkie-Rechner. Hier können Sie grob schätzen lassen, zu wie viel Prozent Sie je nach Speicher- und Anlagengröße autark Ihren Strom erzeugen können.

Mit einem Batteriespeicher sind bis zu 80% Photovoltaik-Eigenverbrauch möglich, ohne einen Solar-Akku sind es nur rund 25%. Der erhöhte Eigenverbrauch des Solarstroms trägt wie bereits erwähnt zur gesteigerten Rentabilität einer Photovoltaikanlage bei, muss aber den Kosten für die Anschaffung eines Batteriespeichers gegenüber gestellt werden.

Vergleich: Mit Batteriespeicher ist ein Photovoltaik-Eigenverbrauch von bis zu 80% möglich, ohne nur bis zu 25%

Ein weiterer Ansatz zur Erhöhung des Solarstrom-Eigenverbrauchs ist die Verschiebung des Stromverbrauchs in die Sonnen-intensive Zeit des Tages. Hier ergibt sich selbiges Problem: gerade um diese Zeit sind die wenigsten Photovoltaikanlagen-Besitzer zuhause.

In diesem Fall helfen unter Umständen Zeitschaltuhren oder technische Geräte, die programmierbar sind. Als Beispiel wird gerne die Kühltruhe angeführt. Oft steht diese in einem relativ kühlen Kellerraum und kann nachts per Zeitschaltuhr für viele Stunden ausgeschaltet werden und wird dabei  aufgrund guter Isolierung nur geringfügig wärmer.

Heutzutage sind elektrische Geräte manchmal schon von Haus aus mit einer Zeitsteuerung ausgestattet. So lässt sich vielleicht festlegen, wann die Spülmaschine, die Waschmaschine oder der Wäschetrockner automatisch eingeschaltet wird. Die oben bereits erwähnte "Smart-Home" Variante ist wohl der technisch eleganteste Weg, die Verbraucher seines Hauses wie gewünscht zu programmieren und optimieren.

2.2.1. Weitere Tipps zur Eigenverbrauchs-Optimierung

  • Wärmepumpen zur Klimatisierung oder zum Heizen
  • Waschmaschine tagsüber nutzen wenn die Sonne volle Kraft hat
  • Zeitschaltungen für elektrische Geräte nutzen
  • Mittags Kochen, statt Abends wenn es dunkel ist
  • Smart-Home-Systeme nutzen

Stromzähler

Damit der Eigenverbrauch mit dem Energieversorger abgerechnet werden kann, ist eine spezielle Anordnung der Stromzähler erforderlich. Die Stromzähler erfassen dann:

  • einerseits die Energieerzeugung
  • andererseits aber auch den Netzbezug und die Netzeinspeisung.

Der Eigenverbrauch kann sehr einfach berechnet werden:

  • Erzeugter Strom - Verkaufter Strom = Eigenverbrauch ... oder
  • PV-Zähler - Einspeisezähler = Eigenverbrauch

2.3. Was bedeutet Autarkie?

Autarkie bedeutet im Zusammenhang mit Photovoltaik, dass man vom Stromversorger unabhängig wird. Der Autarkiegrad ist der Prozentanteil, zu welchem das geschafft ist. 

  • 100% Autarkie bedeutet also, dass man keinen Strom mehr von RWE & Co. mehr kaufen muss, sondern komplett selber erzeugt. Aktuell sind solche "Inselsysteme" aufgrund der im Winter fehlenden Sonne noch recht teuer. In den nächsten 15 Jahren wird sich dies aber wahrscheinlich ändern. Technischer Fortschritt und sinkende Preise bei Modulen und Akkus sorgen dafür.
  • 100% Eigenverbrauch bedeutet, dass ich meinen gesamten Strom aus der Solaranlage selber verbrauche und nichts einspeise. Trotzdem kann es gut sein, dass ich damit noch nicht zu 100% autark bin, da ich teilweise noch benötigten Strom einkaufen muss, der von der eigenen Solaranlage nicht ausreichend erzeugt wird.

3. Warum wurde die Eigenverbrauchsvergütung in der EEG-Novelle 2012 entfernt?

Die Eigenverbrauchsvergütung beträgt zwischen 8 und 25 Cent pro selbst verbrauchter Kilowattstunde Solarstrom. In der EEG-Novelle 2012 wurde diese rückwirkend zum 01. April 2012 entfernt und wird daher für Anlagen, die nach dem Stichtag installiert werden, nicht mehr gezahlt. Dies liegt daran, dass die gezahlte Photovoltaik-Einspeisevergütung erstmals unter den durchschnittlichen Strompreis gerutscht ist.

Vor dieser Zeit bedurfte es eines finanziellen Anreizes, damit der Strom selbst verbraucht wurde, denn die Einspeisung war rentabler als der Eigenverbrauch. Da nun durch die fallende Einspeisevergütung und die steigenden Strompreise der Eigenverbrauch attraktiver wurde, konnte man die Eigenverbrauchsvergütung streichen. Der Gesetzgeber möchte einen Anreiz zur dezentralen Nutzung von Solarstrom setzen, aber dennoch die Kosten des EEG-Vergütungssystems insgesamt reduzieren. 

Die nachfolgende Grafik zeigt die Entwicklung der steigenden Strompreise im Vergleich zur sinkenden Photovoltaik-Einspeisevergütung in Euro-Cent pro kWh. 

Entwicklung der Photovoltaik-Einspeisevergütung im Vergleich zum durchschnittlichen Strompreis 2004 bis 2014

3.1. Die Zukunft des Photovoltaik-Eigenverbrauchs

Forscher arbeiten daran, dass nicht nur der Solarstrom bis zu 100% selbst verbraucht werden kann, sondern dass auch das Stromnetz und elektrische Geräte "intelligent" oder "smart" werden. So sollen die Stromabnehmer in den Haushalten irgendwann mal automatisch erkennen, wann viel Strom vorhanden ist oder die Strompreise gerade niedrig sind und sich automatisch einschalten. Das würde ein gravierendes Problem von Zeitschaltuhren lösen: auch wenn sich die Waschmaschine um 12 Uhr einschaltet, heißt das nicht, dass die Sonne scheint. Vielleicht ist es gerade etwas bewölkt und die Sonne kommt erst um 14 Uhr durch. Darüber hinaus arbeiten die Hersteller von Photovoltaik-Stromspeichern daran, Ihre Systeme weiter zu optimieren.

Welche Lösung sich auch immer durchsetzen wird, in einem Punkt sind sich fast alle einig: der Photovoltaik-Eigenverbrauch ist die Zukunft!

Contact Person Autor des Artikels: Jascha Schmitz - Redakteur der Umweltportale: Solaranlagen-portal.de | Ihr-BHKW.de | Ihre-Waermepumpe.de | klaeranlagen-vergleich.de

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