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Mark Bost: Photovoltaik-ExperteMark Bost arbeitet als Ingenieur für technischen Umweltschutz am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung in Berlin (IÖW). Wir befragten ihn zur Situation der deutschen Solarbranche 2014 und baten um eine Empfehlung zu Photovoltaik-Batteriespeichern.

Herr Bost, mit welchen Aufgaben beschäftigen Sie sich aktuell am IÖW in Berlin?

Derzeit befasse ich mich vor allem mit wissenschaftlichen Fragestellungen rund um das Thema „Prosumenten“ im Bereich der Energieversorgung. Bis vor einigen Jahren kannte man private Haushalte im Energiesystem nur als reine Konsumenten, also Verbraucher von elektrischem Strom. Mittlerweile nutzen jedoch immer mehr Haushalte innovative Technologien, um selbst Strom zu erzeugen. Sie treten somit sowohl als Produzent als auch als Konsument im Energiesystem in Erscheinung, woraus das Kunstwort „Prosument“ oder „Prosumer“ abgeleitet wurde. Die Photovoltaik ist dafür zurzeit am stärksten etabliert, weshalb sie auch Hauptgegenstand unserer Untersuchungen ist.

Laut aktuellen Meldungen steigt die weltweite Photovoltaik-Nachfrage im Jahr 2014, dahingegen halbiert sich die Nachfrage in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr. Wie ist diese Entwicklung zu erklären?

Der Rückgang der PV-Installationen in Deutschland dürfte mehrere Gründe haben. Ich will hier nur auf die meines Erachtens nach wichtigsten drei eingehen:

Erstens ist dieser Rückgang politisch leider durchaus gewollt. So sieht das EEG seit 2012 einen Ausbaukorridor von 2,5 bis 3,5 GW pro Jahr vor. Da der Zubau bisher immer über diesem Korridor lag, wurde die Einspeisevergütung für Neuanlagen unabhängig von der tatsächlichen Preisentwicklung für PV-Anlagen seitdem besonders stark reduziert und hat mittlerweile ein Niveau erreicht, bei dem Investitionen für immer mehr Standorte und Anwendungsfälle zunehmend unattraktiver werden.

Zweitens ist die wirtschaftliche Bewertung von PV-Projekten in letzter Zeit sehr viel komplexer geworden. Bis Anfang 2012 war dies sehr simpel, da sich die wenigen Einflussfaktoren wie Solarstrahlung, Kosten und Einspeisevergütung relativ einfach und sicher bestimmen ließen. Seit der Netzparität hängt die Wirtschaftlichkeit in zunehmendem Maße vom sogenannten Eigenverbrauch ab, also davon, wie viel des selbsterzeugten Stroms man auch tatsächlich selbst verbrauchen kann. Einen großen Einfluss hat zudem, welche Kostenentwicklung man für seinen Strombezugspreis annimmt, welchen man durch den Eigenverbrauch einspart. Solarstromspeicher können zwar den Eigenverbrauch stark erhöhen und besser vorhersehbar machen, sind aber noch sehr teuer und ihrerseits mit Unsicherheiten bspw. bzgl. ihrer Lebensdauer verbunden.

Drittens besteht gerade dieses Jahr mit der aktuellen EEG-Novelle erhebliche Unsicherheit bzgl. der künftigen Rahmenbedingungen. Vor allem der Plan, künftig auch den Eigenverbrauch aus PV-Anlagen zumindest teilweise mit der EEG-Umlage zu belegen, stellt die Wirtschaftlichkeit vieler PV-Projekte insbes. im Gewerbe in Frage.

Außerhalb Europas haben wir momentan dagegen z.T. sehr attraktive Rahmenbedingungen für PV-Anlagen. Die weltweiten Produktionskapazitäten sind in den letzten 10 Jahren extrem gewachsen und die Preise für PV-Anlagen um über 75% gesunken. Deutschland war dank der durch das EEG garantierten stabilen Marktbedingungen Hauptantriebsmotor dieser Entwicklung. Mittlerweile haben sich viele Länder dieses Fördersystem erfolgreich abgeschaut und bieten derzeit z.T. deutlich höhere Einspeisevergütungen als in Deutschland. Zusätzlich profitieren einige Länder aufgrund ihrer geografischen Lage auch von einer deutlich höheren Sonneneinstrahlung.

Es gibt verschiedene Technologien um Solarstrom zu speichern. Welche Systeme haben Ihrer Einschätzung nach das größte Zukunftspotenzial?

Das kommt sehr auf den Anwendungsfall an. Für private Haushalte geht der Trend derzeit stark Richtung Lithium-Akkus.

Denkt man eine Ebene größer, bspw. an Stromspeicher für Wohnquartiere oder das produzierende Gewerbe, dann bieten Redox-Flow- und Natrium-Schwefel-Batterien interessante Perspektiven.

Großes Potenzial hat zudem die thermische Speicherung, was man auch als Power-to-Heat bezeichnet. Dabei wird der Solarstrom zur Erzeugung von Wärme genutzt, die sich sehr preiswert speichern lässt. So lassen sich fossile Brennstoffe einsparen, die man ansonsten für die Erzeugung von Warmwasser oder Raumwärme einsetzen müsste. Durch Saisonwärmespeicher ist es sogar schon heute möglich, überschüssige Sonnenenergie aus dem Sommer als Heizwärme für den Winter einzuspeichern. Dies erfordert jedoch gut durchdachte solare Gebäudekonzepte mit einem hohen Dämmstandard und ist auch aufgrund der großen Speichervolumina vor allem für den Neubau interessant.

Eine Frage, die für unsere Leser von besonderem Interesse ist: Würden Sie derzeit (2014) aus wirtschaftlicher Sicht, Betreibern von Photovoltaikanlagen die Investition in einen Photovoltaik-Batteriespeicher empfehlen?

Wie bereits erwähnt ist die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für solche Systeme sehr komplex, sodass man nur eingeschränkt pauschale Aussagen machen kann. Aufgrund der momentan noch hohen Speicherpreise kann man aber durchaus festhalten, dass ein System ohne Batteriespeicher derzeit in den allermeisten Fällen wirtschaftlicher ist. Sollten die Preise aber ähnlich rasch sinken wie die von PV-Anlagen, so könnte sich dies schon bald ändern.

Auf jeden Fall sollte man sich vor der Anschaffung sehr sorgfältig Gedanken darüber machen, mit welchen Parametern man eine Wirtschaftlichkeitsberechnung durchführt. Erwarte ich etwa, dass in den nächsten Jahren die Kinder aus dem Haus ziehen, dann sollte ich auch mit einem geringeren Stromverbrauch über die nächsten 20 Jahre rechnen. Auch die Strompreissteigerungen für diesen Zeitraum sollte man vorsichtshalber mal eher moderat um 2 % pro Jahr ansetzen, da bspw. ab 2025 zunehmend viele EE-Anlagen mit hohen Vergütungssätzen aus der EEG-Vergütung herausfallen, sodass die Strompreise durchaus auch wieder fallen können.

Wir danken für das nette Interview!

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Contact Person Autor des Artikels: Jascha Schmitz - Redakteur der Umweltportale: Solaranlagen-portal.de | Ihr-BHKW.de | Ihre-Waermepumpe.de | klaeranlagen-vergleich.de

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