Neuerdings werden in Häuser intelligente Stromzähler – sogenannte “Smart Meter” – installiert. Im Gegenzug sind Netzbetreiber ab kommendem Jahr verpflichtet variable Stromtarife anzubieten. Bei hoher Nachfrage ist der Strom dann teuer, bei geringer Nachfrage günstiger. Als einer der ersten bietet der Elektroriese Miele bereits intelligente Geräte an, die sich bei hohem Strompreis selbsttätig abschalten und so bares Geld sparen sollen. Der aus der TV-Branche bekannte Begriff “HD ready” wird entlehnt und so tragen Elektrogeräte bald die Kennzeichnung “SG ready”, also bereit für das intelligente Stromnetz “Smart Grid”. So weit, so gut. Die Idee klingt erst mal nicht schlecht…
Spiegel Online berichtete am 16. August 2010 über mehrere “Smart Grid”-Studien und nennt die Ergebnisse schlichtweg “ernüchternd”. Beispielsweise hat die Bonner Bundesnetzagentur kalkuliert, dass ein Haushalt jährlich gerade einmal magere 12 bis 50 Euro spart. Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Dem gegenüber stehen die Kosten: für den Austausch des Zählers muss mit 35 bis 100 Euro gerechnet werden und die Dienstleistungsgebühren für den variablen Stromtarif belaufen sich auf 60 bis 240 Euro. Man muss kein Rechenkünstler sein, um hier zu einem eindeutigen Ergebnis zu kommen. Ganz zu schweigen von dem Verlust an Lebensqualität, wenn Geräte von der “Laune” des Stromzählers abhängig sind. Wer will schon im Dunkeln sitzen oder auf das Fernsehgerät verzichten, weil der Strom gerade teuer ist?
Einen Vorteil hat der variable Stromtarif aber dennoch: da der Anteil an erneuerbaren Energien zunehmend wächst, hängt die zur Verfügung stehende Strommenge von Naturgegebenheiten ab. Windstille und Sonnenlose Tage könnten zukünftige Netze schnell an die Auslastungsgrenzen bringen. Hier kann das “Smart Grid” gute Dienst leisten.
Der Markt reagiert nur sehr langsam auf das intelligente Stromnetz. Erst 15 von 800 Versorgern bieten ein entsprechendes Produkt an. Laut Forsa-Umfrage würden sich nur vier Prozent aller Hausbesitzer einen “Smart Meter” “sehr wahrscheinlich” einbauen lassen.
(Foto: © Dieter Schütz / pixelio)

