Am Sonntag, den 22. August 2009 titelte der Bonner General-Anzeiger: “China macht Solarbranche Angst” und das Handelsblatt veröffentlichte unter der Schlagzeile “Solarbranche verlangt Schutzzölle” die Forderung zweier deutscher Solaranbieter (Solarworld und Conergy), den Niedrigpreisen chinesischer Modulanbieter mit Schutzzöllen beizukommen. Was auf den ersten Blick wie ein verzweifelter Hilferuf durch die Krise bedrängter deutscher Hersteller erscheint, ist auf den zweiten Blick ein durchsichtiges Manöver, das gegen die Interessen des Klimaschutzes und der deutschen Solarkunden gerichtet ist. Um die Hintergründe zu verstehen, hat die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V., Deutschlands größter Verband für Solartechnik folgende Fragen beantwortet:
Wer ist die Solarbranche?
Die deutsche Solarbranche besteht laut Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) aus über 15.000 Unternehmen, von denen nur etwa 200 Photovoltaikmodule herstellen. Damit repräsentieren die deutschen Hersteller von Photovoltaikmodulen seit Jahren nur den kleinsten Teil der Beschäftigung im Solarsektor. Handwerker, Planer, Projektierer machen seit Jahren mit weitem Abstand den größten Teil der rund 70.000 Beschäftigten in der Branche aus.
Wer hat welche Interessen?
Naturgemäß sind Hersteller an hohen Preisen von Photovoltaikmodulen interessiert, damit Sie hohe Umsatzrenditen erwirtschaften können. Dies ist insbesondere bei Aktiengesellschaften ein primäres Ziel. Projektentwickler, Handwerker und Kunden sind jedoch besser bedient, wenn die Preise der Photovoltaikmodule gering sind, denn Sie bekommen mehr Leistung und Ertrag für das gleiche Geld. In diesem natürlichen Marktkonflikt haben die Hersteller nun nach Schutz für ihre Profite gerufen, die nach Jahren eines Verkäufermarktes nun durch das vorhersehbare Umschwenken in einen Käufermarkt eingebrochen sind.
Kunden und Klima wollen günstigen Sonnenstrom
Die Forderung einiger deutscher Hersteller nach künstlich hohen Preisen für Photovoltaik durch Schutzzölle oder ähnliche Maßnahmen ist nicht nur gegen die eigenen Solarkunden und Investoren gerichtet, sondern auch gegen den Klimaschutz, dem Hauptziel des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). Es ist aus Sicht der DGS unverständlich, wie einige Hersteller glauben die Basis des EEG (Kostenreduktion durch Marktwachstum) verlassen zu können.
Finanztest: Photovoltaikanlagen sind wegen der günstigen Preise eine gute Finanzanlage
Die Vorteile von günstigen Photovoltaikmodulen für Anlagen-Investoren wurden jüngst von der Zeitschrift Finanztest aufgegriffen und Photovoltaikanlagen ausdrücklich als Geldanlage empfohlen. Die Zeitschrift “Finanztest” rechnet in ihrer aktuellen Ausgabe vor, dass Hausbesitzer mit einer PV-Anlage auf ihrem Dach eine Rendite von über 7 % erwirtschaften können. Erstmals kommt die Rendite der Solarbranche also dort an, wo Sie hingehört - bei den Privatinvestoren und verbleibt nicht bei den Herstellern. Vorteile gibt es aber auch für alle: “Die günstigen Preise führen derzeit auch wieder zu einer verstärkten Nachfrage, weil eine Investition lukrativ ist”, so DGS-Präsident Jörg Sutter.
Was will das EEG? – Kostenreduktion durch die Hersteller
Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) soll den Ausbau von Strom aus erneuerbaren Quellen fördern. Es dient vorrangig dem Klimaschutz und gehört zu einer ganzen Reihe gesetzlicher Maßnahmen, mit denen die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Erdgas oder Kohle verringert werden soll. Das Gesetz schafft durch eine staatlich garantierte Einspeisevergütung eine planbare Voraussetzung für Investitionen in Sonnenstrom. Es beinhaltet aber auch den Zwang zur Kosteneffizienz.
Jedes Jahr werden die gesetzlichen Vergütungssätze gesenkt, um die Erfolge bei der Kostenreduktion an die Kunden weiterzugeben. Politik und Branche hatten sich hierbei im EEG unter dem Motto: “Wir (Politik) geben Euch den Markt, ihr (Hersteller) gebt uns niedrige Anlagenpreise und damit günstigen Strom” geeinigt.
Die Kostenreduktion von Solarstrom ausgelöst durch die Reduktion der Investitionskosten für PV-Module ist einer der großen Erfolge des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). Nicht nur der PV-Branchenverband (BSW) freut sich deshalb, seit 2006 über 25% Preisreduktion für PV-Anlagen erreicht zu haben. (http://www.solarwirtschaft.de/fileadmin/content_files/preisind_0209.jpg Die Kostenreduktion von Photovoltaik ist eine Kernforderung des EEG und durch konsequente Innovationspolitik in der Industrie umsetzbar. Neue Fertigungsmethoden, Robotertechnik und geringerer Energie- und Materialeinsatz, sowie sinkende Rohstoffkosten haben zu diesen Erfolgen geführt, die die Produktionskosten von über 30 US$ pro Watt von 1970 auf heute beim Kostenführer auf fast 1 US$ pro Watt gesenkt haben. Technisch sind von der Branche noch weitere erhebliche Kostensenkungen zu erwarten, die Solarstrom in wenigen Jahren für den Kunden günstiger als den durchschnittlichen Netzstrom machen. Das ist gerade die Perspektive des EEG.
Technische Standards – Baumusterzulassung oder Innovation
Technisch liegt in der PV-Branche das seit Jahren bekannte Problem vor, dass alle Module auf Basis des internationalen Mindeststandards (IEC 61215) zugelassen sind und es kaum weitere Qualitätsmerkmale oder Innovationen gibt. DGS-Vize Präsident Dr. Jan Kai Dobelmann bemerkt dazu: “Wer als Autohersteller seine Automobile nach €/PS verkauft, der darf nicht auf Nachsicht der Kunden für zu hohe Preise hoffen und dann nach der Politik schreien. Wir fordern deshalb die deutsche PV-Industrie auf, sich auf konsequent auf Produktinnovationen und Automation zu stürzen. Den Kunden muß ein echter Mehrwert an wirtschaftlichen Garantien und Qualität geboten werden, wenn höhere Preise verlangt werden. An in objektiver messbarer Weise qualitativ oder innovativ differenzierbaren PV-Produkten mangelte es bisher auch von den deutschen Herstellern.”
Forderung der DGS: Keine Mauer gegen günstigen Sonnenstrom – Kunden müssen am EEG Ziel partizipieren
Als die Photovoltaikinsdutrie klein war, gab es noch keinen globalen Markt und an Förderprojekte gekoppelte Technologieklausen machten Sinn. Heute ist die Industrie ein globaler Markt mit 8 Mrd. € Umsatz in Deutschland alleine, der auf internationalem Handel (Export wie Import) basiert. Wir fordern wir fordern die Politik auf: Geben Sie nicht dem marktfernen werben zweier Industrieller nach, die ihre zugesagten Hausaufgaben zur Kostenreduktion vielleicht nicht gemacht haben. Bürger, Solarstromerzeuger und unsere Umwelt haben den Anspruch, dass auch die Hersteller zu Ihren Zusagen stehen. Günstige Solarmodule sind mit modernsten Produktionstechniken für die, die ihre Entwicklungs- und Investitionshausaufgaben gemacht haben, auch in Deutschland möglich. Wer Schutzzölle beim Klimaschutz verhängt, raubt Bürgern und dem Klimaschutz die Chance. Die Photovoltaik, stellt ihre Fähigkeit zur enormen Kostenreduktion gerade erst unter Beweis.
Mehr Informationen: www.dgs.de

